Dez 15
--- Ich spare mir heute mal eine lange Einleitung und lasse euch ziemlich direkt an den Eindrücken der letzten Stunden teilhaben. Das Einzige, was zum Verständnis notwendig ist, fasse ich euch kurz zusammen: Heute habe ich zwei Hörgeräte zur Probe erhalten, um erstmal auszuprobieren, ob ich damit zu recht komme. Die Hörgeräteakustikerin ist da etwas skeptisch und ich auch – aber schauen wir mal. Ich laufe also seit wenigen Stunden mit zwei Hörgeräten herum und muss mich noch damit anfreunden. Ob das eine dauerhafte Freundschaft wird, weiß ich noch nicht – das wird der Alltagstest zeigen und bislang hat mir die Hörgeräteakustikerin auch noch nicht mitgeteilt, was der Spaß am Ende kosten soll ---


Nach dem Hörgeräte-Termin gehen wir kurz durch die Stadt – natürlich, ich muss ja noch zum DM ;-) Auf dem Weg nehme ich die Musik eines Kinderkarussell mit Weihnachtsgedudel ganz nah wahr… selbstverständlich kenne ich die Melodie, doch es hört sich näher an.

Auch ein paar Kinder kreuzen unseren Weg – keine von der pflegeleichten Sorge. Nein, die Kinder jammern, quengeln, kreischen… und ich wünschte mir, es gäbe ein Hörgeräteprogramm mit einer „Kinder aus“ Option – denn wenn man sie plötzlich lauter und „näher“ hört, dann sind das ja richtige kleine Nervensägen.

Daheim halte ich auf dem Weg zu unserer Wohnungstür inne – irgendwas rauscht. Ich stehe und horche… höre den knirschenden Sand unter den Schuhen meines Freundes, höre wie er langsamer und leiser wird, als er stehen bleibt und sich umschaut um zu sehen, wo ich denn abgeblieben bin. Ich horche noch mal in die vermeintliche Stille mit diesem unbekannten Hintergrundgeräusch. Nein, noch kann ich nicht bestimmen, was dieses Rauschen im Flur ist.

Wir betreten die Wohnung. Eigentlich ist es hier still… aber irgendwas macht Geräusche…wieder so ein leises Rauschen, vielleicht auch ein Piepen. Ich halte mein Ohr an die Gegensprechanlage. „Unsere Sprechanlage rauscht“ „Nein, das ist die Lampe“ „Warum macht unsere Flurbeleuchtung Geräusche? Seit wann?“ „Seit einem Jahr“…okay, gut zu wissen.

Als ich vom Balkon komme bin ich wieder gespannt – Geräusche, die ich erstmal nicht genau einordnen kann, kommen von…ja, von irgendwo her. Hört sich an wie Händewaschen, hat allerdings einen anderen Rhythmus und irgendwie kann das Waschen von Händen ja so laut nicht sein… unser Bad liegt nämlich ein Stückchen vom Wohnzimmer entfernt, in dem ich mich zu dem Zeitpunkt befinde…dann betrete ich die Küche und stelle fest: Ah, er spült. So hört es sich also an, wenn mein Freund Geschirr spült.

In meinem Arbeitszimmer klappert die Tastatur anders und lauter… aber ich stelle auch fest, dass mehr Hören praktisch ist. Nun kann ich von meinem Schreibtisch aus hören, wann der Wasserkocher fertig ist. Bislang musste ich dafür sehr konzentriert lauschen oder ich bin einfach schauen gegangen…

Ich frage mich, ob ich das alles vorher nicht auch irgendwie gehört habe… vielleicht… sehr wahrscheinlich sogar… zumindest das Meiste. Aber: Zum Teil war es wohl so leise, dass ich es gar nicht bewusst wahrgenommen habe. Bestimmt konzentriere ich mich momentan aber auch viel mehr auf diese ganzen Umgebungsgeräusche.

Zwischenfazit: Ich glaub, ich wünsche mir eine leisere Tastatur…die nervt ja. Hat sie noch nie so gemacht – aber mit Hörgeräten im Ohr ist das Ding doch recht laut :-D


PS: Cool, man kann es hören, wenn ein Lipgloss auf und zu gedreht wird. Ich dachte immer, die Dinger wären lautlos.

PSS: So als Randinfo: Nein, ich hatte meines Wissens noch nie ein „richtiges Hörvermögen“ und bin gespannt, ob die Hörgeräte im Alltag wirklich hilfreich sind oder ob mich dieses Zuviel an (neuen, unbekannten, lauteren) Nebengeräuschen am Ende doch zu sehr stresst.



Geschrieben von Bonny

Tags für diesen Artikel:

0 Trackbacks

  1. Keine Trackbacks

20 Kommentare

Ansicht der Kommentare: (Linear | Verschachtelt)
  1. Marie meint:

    ich wusste nicht dass du Hörprobleme hast, wäre als Einleitung wohl sinnvoller gewesen aber gut musst du wissen. Ich finde diesen Post einfach nur sinnlos ohne vorherige Aufklärung warum du so etwas überhaupt testest usw

  2. DaniB001 meint:

    Wow, Du hast meinen Respekt verdient. Darf ich fragen was die Ursache für Dein Hörproblem ist?
    Außenstehende könen bestimmt nicht nachvollziehen was es für eine Veränderung bedeutet alles Anders wahrnehmen zu können. Ich nehme es im Alltag als gegeben hin aber kann mir kaum vorstellen, wenn es anders wäre und nicht all die Alltagsdinge so wahrnehmen könnte.
    Ich kann mir vorstellen, das es nicht immer leicht im Leben gewesen ist für Dich.

  3. Nyx_a meint:

    Ich finde du hast heute wirklich einen sehr persönlichen und mutigen Post geschrieben. :-)
    Sicherlich muss das für dich auf einmal total befremdlich sein, wenn man alles hört.
    Aber ich denke nach einiger Zeit wirst du das vermutlich als großes Plus wahrnehmen mehr zu hören.
    Leider sind ja solche Hörgeräte immer furchtbar teuer, aber vielleicht wenn man das auf die Leistung und die Zeit wie lange sowas hält umrechnet lohnt sich so eine Investition vermutlich schon.
    Aber letztendlich is das wohl eine Frage was du als angenehmer empfindest, das alte gewohnte oder das neue ungewohnte.
    Find es jedenfalls sehr klasse, dass du darüber berichtet hast und ich würde mich freuen, wenn du deine weiteren Erfahrungen damit mit uns teilst.

  4. andrea meint:

    danke das du uns überaschenderweise daran hast teilhaben an dem test.
    du schreibst so unbekümmert locker über das thema als wenn es sich um eine rezension zu einem x-belibiegem konsumgut handeln würde.
    versteh mich bitte nicht falsch ich möchte nichts runter spielen aber die art und weise deiner formulierung bringt einem das thema ohne berührungsängste näher und zeigt einem mit kleinigkeiten einen extrem persönlichen einblick den man sonst so nicht bei dem thema bekommt.

    die schwester meines freundes ist zwar von geburt an gehörlos aber wirklich greifbar ist das alles aufgrund der kommunikationsprobleme halt doch nicht.

    lg
    andrea


    @marie
    die überschrift heißt hörgeräte probe.
    deutlicher gehts kaum.

  5. Miki meint:

    Mein Vater hat irgend so ein teures Dingens und trägt es nie. Finde ich toll, dass du so testen kannst. Interessieren würde mich, wie es beim TV gucken oder Radio hören ist, vor allem müsstest du dich doch besser mit deinem Freund auf eine Lautstärke einigen können? Meine Schwester sollte auch eins tragen, kümmert sich aber nicht drum. Manche Geräusche braucht "die Welt" ja nicht ;-) aber hinderlich ist doch, wenn einem Teile von Gesprächen entgehen, oder? Ich bin gespannt, wie deine Entscheidung ausfällt, denn sagt man nicht, der Mensch kann schwächere Sinnesorgane durch andere Fähigkeiten ausglleichen?

  6. Tanja meint:

    Hi,

    ich finde den Post höchstinterssant :-) "Leide" nämlich selbst seit meiner Jugend unter einer hochgradigen Innenohrschwerhörigkeit. Ich hab mich mittlerweile so daran gewöhnt, daß es mir vermutlich wie dir gehen würde wenn ich plötzlich alles hören würde :-)
    Bisher haben mich die enormen Kosten von "optisch erträglichen" Hörgeräten abgeschreckt.
    Was mich interessieren würde, wie funktioniert eigentlich telefonieren mit Hörgeräten? Ganz normal? Oder pfeifts?
    LG und ich bin sehr gespannt wie es dir weiterhin damit ergehen wird.
    Tanja

  7. Bonny meint:

    @All (okay, mit Ausnahme von Marie): Danke für eure positiven Rückmeldungen - da fällt mir glatt ein Stein vom Herzen :-)

    @Marie: Für mich ist es so zwingend logisch, dass man nur dann ein Hörgerät testet, wenn man auch ein entsprechendes Problem hat, dass ich es nicht für notwendig gehalten habe, das noch groß zu thematisieren.

    @DaniB001: Wenn man es auf einen einfachen Sachverhalt runterbrechen möchte, dann kommt das Hörproblem von einer anatomischen Fehlkonstruktion was die Belüftungssysteme etc. rund um meine Ohren angeht. Darauf folgte eine chronische Entzündung... letztendlich wurde diese in zwei Operationen rausgebohrt. Die Entzündung war ich somit los - leider hatte das aber keinen Einfluss auf das Hörvermögen - naja, nicht ganz: Man hatte mir gesagt, wenn ich die Operationen nicht mache, würde ich taub werden - es hatte also doch einen positiven Einfluss dahingehend, dass mein Hörvermögen zwar nicht besser wurde, aber immerhin erhalten blieb.

    Natürlich war das nicht immer leicht - aber wenn man es nicht anders kennt, dann gibt es auf dieser Welt weitaus schlimmere Dinge als ein nicht ganz so
    dolles Gehör.

    @Nyx_a : Vielen Dank für deine lieben Worte!

    Ja, das ist erstmal sehr ungewohnt mit diesen Hörgeräten... aber irgendwie auch spannend - zumindest ging es mir jetzt in den ersten Stunden so, die aber auch eher "ruhig" waren. Wie das dann im normalen Alltag (also im Verkehr, auf der Arbeit etc.) ist, bleibt abzuwarten. Aber: Ich habe ja den großen Vorteil, dass ich die Geräte wieder rausnehmen könnte, wenn die Hintergrundgeräusche so laut werden, dass ich nicht mehr konzentriert arbeiten kann - Dann "stöpsel" ich die laute Welt einfach wieder aus :-D

    Noch bzw. momentan habe ich noch garnicht die normale Lautstärke, d.h. die Hörgeräteakustikern hat die Geräte erstmal nicht so eingestellt, dass ich das hören würde, was einem normalen / gesunden Hörvermögen entspricht. Ich glaube, sie wollte mich nicht erschrecken ;-)

    @Andrea: Ich muss gerade einwenig lächeln... schön, dass das was ich versucht habe mitzuteilen verständlich ist... (da war ich mir am Anfang nämlich nicht so sicher)

    Ich glaube, der Text ist deshalb so locker geworden, weil ich einfach ganz spontan runter geschrieben habe, was in den Stunden mit den Hörgeräten so in meinem Kopf vorgegangen ist. Die Phase, in denen ich diese "Dinger" auf Teufel komm raus nicht haben wollte (weil: spätestens wenn man ganz genau hinschaut, sieht man die ja auch) habe ich inzwischen hinter mir - jetzt möchte ich einfach mal herausfinden, was diese Hörwunder können und warum jeder Arzt meint, ich sollte unbedingt welche haben.

    Nach der Ablehnung kam die Neugier (v.a. als man mir sagte, dass auf lange Sicht sowieso kein Weg dran vorbei führt). Warum soll ich meine Energie weiter damit verschwenden etwas abzulehnen, was mir helfen könnte? ;-)

    Ich glaube, ganz gehörlos zu sein ist da schwieriger - immerhin kann man sich dann nicht mehr spontan mit technischen Geräten aushelfen. Je nachdem, wie viel Kontakt du mit der Schwester deines Freundes hast, könnt ihr vlt gemeinsam ein bisschen Gebärdensprache lernen? Das könnte eine wertvolle Erfahrung sein...

    @Miki: Also... die Lautstärke am Fernseher hatte ich gerade gut zehn Einheiten geringer als sonst. Mein Freund ist erleichtert, dass er nun (zumindest solange ich die Hörgeräte teste) nicht mehr dem "Lärm" ausgesetzt ist :-D

    Deine Schwester kann ich durchaus verstehen - habe mich ja selber lange genug geweigert, die Geräte zu testen. Und selbst als Arzt und Freund mich soweit hatten, dass ich mich auf den jetzigen Versuch einlasse: In den Vorbereitungswochen (wo man also erstmal Termine macht und Hörtests und dann auf das Testgerät wartet) hatte ich Launen deswegen, da bin ich mir schon selbst auf den Keks gegangen.

    Solange es nicht zu anstrengend wird, das fehlende Hörvermögen auszugleichen, ist der Leidensdruck nicht groß genug, um sich ein sichtbares Zeichen "aufzubürden". Zumindest bei mir ist es so, dass ich das was an Hörvermögen fehlt bis zu einer gewissen Grenze mit (viel!) Konzentration und dem Versuch noch ein kleines bisschen von den Lippen abzulesen ausgleichen kann. Nicht, dass ich komplett Lippenlesen könnte - leider nicht, aber jemandem beim Sprechen auf die Lippen zu schauen, hat das Verstehen immer erleichtert. Wenn dann im Berufsalltag aber viel gesprochen wird oder viele leiser sprechen oder überhaupt mehrere Leute auf einmal reden (am besten noch mit Hintergrundgeräuschen), dann ist meine Konzentration auch irgendwann mal am Ende. Da wo andere meinen, zwei Stündchen nett gequatscht zu haben, brauche ich erstmal eine Erholungspause, weil das Zuhören so Konzentrationsintensiv ist.

    @Tanja: Leider weiß ich noch nicht, wieviel genau die beiden Geräte kosten, die ich nun zum testen habe. Ich glaube / befürchte, die Hörgeräteaktustikerin wollte es mir deshalb nicht sagen, weil ich mich sonst geweigert hätte einen Versuch zu wagen... na, mal abwarten.

    Vielleicht kannst du ja mal ein Gerät probetragen? Zumindest mein HNO-Arzt meinte, dass es inzwischen Gang und Gäbe sei, dass man erstmal ausprobieren kann (ich glaube, mehr als eine ärztliche Verordnung braucht man dafür nicht).

    Telefoniert habe ich mit dem Hörgerät noch nicht... da bin ich auch gespannt. Auf jeden Fall hören sich die Stimmen an sich schon ein klein wenig anders an, halt so, wie durch einen Lautsprecher. Bei meiner eigenen Stimme merke ich das nur ganz leicht (okay, ich kenne ja auch meine "Tonbandstimme" von Videos her). Die Stimme meines Freundes ist auch leicht verändert... in der ersten Stunde ist mir das da sehr deutlich aufgefallen, inzwischen geht es schon.

  8. Estrella meint:

    Finde es sehr mutig on dir, uns über dein persönliches Defizit in Kenntnis zu setzen und das Testen im Alltag zu beschreiben. Bin mal gespannt, wie du damit zurechtkommen wirst, wenn du z.B. telefonierst oder wenn du in einem Restaurant sitzt, indem überall durcheinander geredet wird. Das sind glaube ich die heikleren Situationen mit einem Hörgerät. Bitte erzähle uns gerne weiter davon!
    Es ist spannend zu hören, wie ein schlecht hörender Mensch plötzlich für uns alltägliche Geräusche wahrnimmt. Und, ob er sie mag oder lieber nicht hören würde (Kinder, brummende Lampe).

    Ich kann dir nur berichten, dass ich einen ähnlichen Test gemacht habe, mit ner Kontaktlinse für mein sehr schlecht sehendes Auge. Leider hat mir das Ungewohnte gar nicht gut getan und ich hab mich für das Gewohnte ohne Sehhife entschieden, wie ich es schon immer kenne. Also ohne Linse. Mich hat einfach überfordert, soviele neue Eindrücke zu bekommen, die ich nicht gewohnt war. Schon komisch, aber der Mensch ist manchmal ein Gewohnheitstier ;-)
    Ich wünsche dir, dass du positive Erfahrungen mit diesem Hörgerät oder einem anderen Modell machst und es deinen Alltag bereichert!

  9. ElkeS meint:

    Ich finde es toll, wie locker du mit dem Thema umgehst. Da meine Ma Kindergärtnerin für Gehörlose war und nun auf der HNO-Station im KKH arbeitet bin ich von klein auf mit dem Thema Gehör aufgewachsen. Eine wahnsinnig tolle Erfahrung war es, ein gehörloses Mädchen kennenzulernen mit dem ich lange sehr gut befreundet war. Ich hab sogar die Gebärdensprache gelernt (heute unterhalte ich mich so mit meiner Schwestert - Logopädin - wenn kein anderer was mitbekommen soll). Ich wünsche dir alles alles Gute mit den Hörgeräten! Ich glaube, ein normal hörender Mensch kann sich nicht im entferntesten vorstellen, wie du dich gerade fühlst...

    Solltest du mal guten Rat brauchen oder sonstige Hilfe bzgl. der Hörgeräte, dann meld dich einfach. Vielleicht geht da was. Meine Ma kennt in der Richtung Gott und die Welt...

    LG Elke

  10. ShuShu meint:

    @marie
    ich finde deinen kommentar eher sinnlos als diesen post >_<
    ich denke es nicht zwingend, als einleitung zu schreiben, dass man hörprobleme hat. klar würde dies das verständnis für diesen post anfangs etwas erleichtern, andererseits finde ich es ein bisschen plump. denn der post handelt ja nicht von den hörproblemen an sich, sondern von den neuen wahrnehmungen, gefühlen, erfahrungen etc.

    ich bewundere auch deine courage, über dieses thema zu schreiben, für mich persönlich wäre es schwierig über beispielsweise hörprobleme zu berichten.
    einerseits ist es wunderbar, wie viele möglichkeiten du jetzt mit dem verbesserten hörvermögen entdeckst und erlebst, andererseits hab ich schon von bekannten und freunden gehört, dass so ein hörgerät auch eine große last sein kann. ich hab gehört, dass man viele nebensächliche geräusche dadurch mehr als normal mitbekommt (?)
    ich bin auch darauf gespannt, wie du dich nach deiner probezeit entscheidest :-D

    ShuShu ?

  11. Bonny meint:

    @Estrella, ElkeS und ShuShu: Da ich euch nicht eine schnelle Antwort unter Zeitdruck hier hinklatschen möchte, muss ich euch ein bisschen vertrösten. Da kommen noch Antworten von mir ... könnte nur bis heute Abend / spätestens morgen dauern.

  12. kramescha meint:

    Schön das du hier berichtest. Viele Leute schämen sich unglaublich für Probleme mit dem Gehör. Mein Vater hat jahrelang ignoriert das er schlecht hört und meine Mutter mit extrem lauten Radio, Fernseher etc. gequält. Ich frage mich warum dies so extrem ist. Für unsere schlechten Augen schämen wir uns doch auch nicht? Ich hoffe ein Beitrag wie deiner zeigt das man damit sehr offen umgehen kann. Und ganz ehrlich, wenn ich an einem Ohr ein Hörgerät sehe, denke ich mir auch nur der hat ein Hörgerät...
    Mein Vater hat übrigens jetzt schon seit ein paar Jahren Hörgeräte. Anfangs saß er da und hat überlegt was er jetzt hört. Es war ein Flugzeug. Ein für ihn unbekanntes Geräusch. Probleme hatte und hat er nur bis heute wenn viele Menschen an einem Tisch sitzen und sprechen. Da hat er Probleme sich auf einen Sprechenden zu konzentrieren. Quasi Probleme beim Geräuschfiltern...
    Ich hoffe du kommst gut mit den Geräten klar :-)

  13. Tina meint:

    Liebe Bonny,
    ich verfolge schon seit geraumer Zeit mit viel Interesse (fast täglich) deinen hervorragenden Blog.
    Und nun ist es soweit! Ich schreibe dir, weil ich für die Worte von Marie keine
    Worte, ausser 'Kopfschütteln' habe. Solche Worte sind ärger- und bedauerlich,
    jedoch sollte man ihnen keinen großes Gehör verschaffen, denn sie sind ein Zeichen von Intoleranz und fehlendes Taktgefühl. Aber für dich, liebe Bonny, habe ich viele Worte! Ein Handicap zu haben ist leider in unserer Gesellschaft immer noch ein Tabuthema, über das 'Normalo' nicht sprechen will oder kann. So ist das und wird es leider auch so bleiben! Was soll's! Ich finde es gut, das du über deine Erfahrungen berichtest. Ich wünsche dir, das du mit dem Hörgerät gut zurecht kommst. Nimm und gib dir ausreichend Zeit, die neuen
    Eindrücke zu verarbeiten. Nicht nur deine Ohren, auch dein Gehirn muss lernen
    diese Flut von neuen Geräuschen zu verarbeiten. Kopf hoch, du schaffst das!

    LG Tina

  14. Enny meint:

    erstmal: wieder traumhaft geschrieben. Und dann: da es nur ein wirklich doofer Kommi war, werd ich jetz auch mal nix dazu sagen ;-) Aber das ist es was ich meine - wenn man aus bloggt, sagen einem alle wie man was machen soll... das nervt.

    Ich hab schon öfters davon gehört, dass sich kaum hörende nicht so recht an ihre Hörgeräte gewöhnen wollen - wieso auch? Vorher war´s ja auch ok. Gehörlose haben sogar Angst davor, wenn sie hören könnten!! Ich wäre auf jeden Fall sehr gespannt zu lesen, wie dein Erlebnis weitergeht... :-)

  15. Frauamblog meint:

    Ein sehr persönlicher Post Bonny, vielen Dank dass Du auch sowas mit uns teilst. :-) Ich habe jetzt aber noch nicht verstanden, ob Du jemals richtig gehört hast oder nicht. Also ist da etwas, was das Hörgerät verstärken kann? Bist Du ansonsten praktisch taub?

  16. naileni meint:

    Dieser Artikel ist wunderschön formuliert und bringt mir nahe, was du meinst. Vieles, was du meinst, ist für mich total normal im Alltag. Unser Flurlicht macht zum Beispiel auch Geräusche. Meine Tastatur klappert auch total laut. Du hast zusätzlich noch längere Fingernägel, was den Geräuschpegel noch erhöht. Die schmatzenden Lipglossgeräusche finde ich schon immer total lustig. Ich freue mich von ganzem Herzen, dass du auch in den Genuss kommst, solche Geräusche wahrzunehmen. Ich wünsche mir allerdings manchmal, ich könnte mein Gehör ausschalten. Zum lernen brauche ich absolute Ruhe. Bin in einem großen Einfamilienhaus aufgewachsen und da wars in meinem Zimmer immer recht still. Jetzt lerne ich schon seit Jahren mit den Geräuschen eines Mehrfamilienhauses zu leben. Das ist nicht immer einfach und manchmal wünschte ich, ich könnte einfach mal nen Schalter umlegen. V.a. wenn ich lerne oder schlafen möchte oder letzte Woche mit meinen Kopfschmerzen. In meiner letzten Wohnung hatte der Typ unter mir seine Stereoanlage oder seinen Fernseher den ganzen Tag am Laufen und zwar so laut, dass ichs in meiner Wohnung fast schon verstehen konnte. Und die Wohnungen waren eigentlich sehr gut gedämmt. Ich hatte total wichtige Prüfungen (nichtbestehen = keine 2. Chance = alles vorbei) und musste lernen. Das war damals unglaublich viel Stress für mich, musste anderswo lernen, hab nachts um 3 o. 4 Uhr die Polizei geholt... Letztendlich hat ihm die Hausverwaltung gedroht und er hat so einigermaßen Ruhe gegeben. Ich bin so dermaßen froh, dass ich nicht mehr dort wohne und hier keinen solchen nervtötenden Nachbar habe. Ich hab mir oft gewünscht, ich könnte die Ohren wie die Augen einfach zumachen.
    Ich wünsche dir mit den Hörgeräten weiterhin eine gute Testphase und viele entdeckenswürdige Geräusche. Mich würde sehr interessieren, wie du dich am Ende entscheidest. Für oder gegen das Hörgerät.
    Liebe Grüße

  17. Estrella meint:

    Hach, ich bin grad wirklich gerührt, wie viele positive und nette Kommentare du von deinen lieben Lesern -gerade zu diesem Thema- bekommst. Das zeigt, dass man sich wirklich nicht als Außenseiter fühlen muss, wenn man in einem Punkt etwas anders ist als andere. Deine Leute mögen dich...wollt ich einfach mal so feststellen- und -halten ;-) Freut mich sehr!

  18. Bonny meint:

    @Tanja: Inzwischen wurde auch telefoniert. Sowohl mit Handy als auch mit einem normalen Festnetztelefon funktioniert das einwandfrei. Es gab mit dem Hörgerät weder ein Echo, noch ein Pfeifen oder sonst was – es hörte sich an wie immer, nur halt etwas lauter :-D

    @Estrella: Auf manche Geräusche kann man echt verzichten – wenn es nicht tragisch ist, dass eine Lampe brummt, dann brauche ich das auch nicht zwangsläufig hören und damit bewusst zur Kenntnis nehmen.

    Wobei es natürlich interessant ist, solche Kleinigkeiten Mal bewusst wahrzunehmen.

    Mir war gar nicht bewusst, dass es auch bei Kontaktlinsen passieren kann, dass man plötzlich viel mehr Eindrücke wahrnimmt und dann damit überfordert sein könnte. Ich habe es mir immer so vorgestellt, dass man bei einem schlechteren Auge erleichtert wäre, wenn man auf einmal klar und deutlich sieht.

    Ich kenne jemanden, der war ganz begeistert, als er endlich eine Brille bekommen hat. Irgendwie hatte er es durch die Führerscheinprüfung geschafft, ohne das die Sehschwäche groß aufgefallen ist… so ist er noch etliche Jahre mit dem schlechteren Auge durch die Gegend gelaufen. Die Brille hat ihn dann ganz begeistert…


    Zu deinem letzten Kommentar: ich bin auch sehr positiv überrascht – mit dieser Flut von netten, interessierten und positiven Rückmeldungen habe ich nie gerechnet…

    @ElkeS: Vielen Dank für dein Angebot – bei Bedarf komme ich gerne darauf zurück

    Ich stelle es mir unheimlich spannend vor, Gebärdensprache zu lernen – irgendwie ist es faszinierend, dass sich manche ohne Stimme unterhalten können.

    Wenn du dich so mit deiner Schwester unterhältst, ist das bestimmt „reizvoll“ – es hat was von einer Geheimsprache, da ja die allermeisten nicht in der Lage sind, diese Gebärden zu verstehen.


    @ShuShu: Für mich war es eher schwierig, mich damit abzufinden, diese Geräte auszuprobieren – wäre mein Arzt darauf nicht so versessen gewesen, hätte ich dem ganzen nie eine Chance gegeben. Irgendwie kommt man ja auch so durch den Alltag. Allerdings hatte der Arzt so „dramatisiert“, dass ich mich mehr oder weniger zu einem Versuch habe drängen / überreden lassen. Nachdem die Hörgeräte nun aber Probe getragen werden, finde ich das nicht mehr ganz so schlimm.

    Ja, die Nebengeräusche (auch welche, die man halt vorher gar nicht oder kaum bewusst gehört hat) sind nun mehr und lauter – bislang bin ich mir auch nicht sicher, ob die Konzentration die ich eigentlich brauchte um zuhören zu können nicht komplett dafür drauf geht, diese „neuen“ Nebengeräusche zu identifizieren und wenn es notwendig ist auch zu überhören.



    @Kramescha: Mir ging das in den letzten Jahren nicht anders. Vor allem war ich der Ansicht, dass es auch einen Unterschied macht, ob man nur ein Hörproblem hat (das man mit ausreichend Konzentration teilweise ausgleichen kann) oder ob man gleich zwei Hörgeräte trägt – denn: Solange es mir halbwegs gelingt, das Hörproblem zu kaschieren, merken das nicht so viele Leute, Geräte dagegen können bei genauem Hinsehen erkannt werden und dann gibt es keine Möglichkeit mehr, das eigene Defizit vor anderen Menschen zu verstecken.

    Dein Vergleich gefällt mir: Stimmt, über Brillen oder Kontaktlinsen denkt auch niemand weiter nach… das ist total normal.


    @Tina: Schön, dass du so regelmäßig hier liest – und noch schöner, dass es nun gelungen ist, dir ein paar Worte zu entlocken. Mit (netten) Kommentaren macht das Bloggen gleich viel mehr Freude ?


    @Enny: Der Mensch ist ja ein Gewöhnungstier – ohne entsprechenden Leidensdruck will sich wohl keiner an etwas Neues gewöhnen, vor allem nicht, wenn es dann etwas ist was „alles“, also große Teile der Außenwahrnehmung betrifft.

    @Frauamblog: Himmel nein, praktisch taub bin ich auf keinen Fall – zwischen nicht gut hören und taub sein gibt es ja ganz ganz viele kleine Abstufungen. Zwar gibt es leise Alltagsgeräusche, die ich bislang kaum oder nicht wahrgenommen habe, aber ansonsten werden mit den Hörgeräten nur die Geräusche verstärkt, die vorher auch schon da waren. Jetzt sind die meisten Geräusche, Stimmen, Klänge etc. lauter – so dass ich nicht mehr angestrengt lauschen muss.

    Vielleicht passt das als Verdeutlichung: Es gibt Situationen, in denen habe ich vielleicht vorher nur leise die Stimme desjenigen gehört, mit dem ich gesprochen habe. Bei manchen muss ich mich dann anstrengen, um alles zu verstehen. Mit dem Hörgerät ist es so, dass ich die Stimme dieser Person nun lauter höre – d.h. ich muss mich weniger anstrengen und kann dem Gespräch im besten Fall leichter folgen. Dafür höre ich nun aber auch noch Autos, die auf der Straße vorbei fahren, das Rauschen von Computern und Heizungen, Hintergrundgeräusche aus angrenzenden Räumen etc. Manches davon habe ich auch vorher mitbekommen – nur um einiges leiser.

    @Naileni: Ja, in dem Moment hat man als Mensch der nicht so dolle hört auch mal Vorteile ;-)

    Es haben während eines Praktikums manche gestaunt, dass ich mitten im Büroalltag (und in einem Büro mit „Kollegenverkehr“, viel Telefongeklingel und insgesamt deutlicher Unruhe) einfach dasitzen und mich durch lange Tabellen arbeiten konnte… für mich war es kein Problem, da einfach abzuschalten, mich auf die etlichen Daten vor mir zu konzentrieren und die geforderten Statistiken zu entwickeln.

    Manchmal hat es auch in der Wohnung Vorteile: Mein Freund hat den ehemaligen Mieter über uns häufig gehört und gerne mal betont, dass der da oben ja ein verdammt lautes Organ habe… er hat sich manchmal gestört gefühlt, ich habe es nie gehört.

    Trotzdem weiß ich, wie es sich anfühlt, in einer total lärmenden Wohnung zu sitzen: Ich brauchte bloß was „Extremeres“ als laute Nachbarn, um diese Erfahrungen zu machen. Als neben einer ehemaligen Wohnung ein Gebäude abgerissen und ein Neues errichtet wurde, habe selbst ich meine sieben Sachen gepackt und bin zu lernen woanders hin gefahren….

  19. Estelle meint:

    Liebe Bonny,

    vielen Dank für diesen Post!
    Du sprichst mir aus der Seele, da auch ich schwerhörig bin und Hörgeräte getestet habe. Ich weiß seit einem Jahr, dass ich anscheinend schon seit meiner Geburt schwerhörig bin und bin nun am überlegen, welche Konsequenzen ich daraus für meine Berufswahl ziehen soll... Ich bin 20 und studiere bereits seit 4 Semestern auf Lehramt - ohne die Schüler verstehen zu können wohl ein Irrweg...
    Ich habe Hörgeräte getestet und meine Erfahrungen waren genau wie bei dir auch.
    In unserem Garten zwitscherte nicht nur 1 Vogel (und das besonders klar), sondern ich konnte auch noch mehr Vögel von weiter weg hören, bei englischen Liedern verstehe ich die Texte mit Hörgeräten fast komplett und anderen Zuhören ist nicht mehr so irre anstrengend!
    Trotzdem habe ich diesen Versuch abgebrochen, da ich mich mit der Situation noch nicht abfinden kann.
    Ich bewundere, dass du den Mut hattest, hier deinen Test einzustellen!
    Welche Geräte hast du getestet, wenn ich fragen darf und zu welchem Urteil bist du letztendlich gekommen?

  20. Bonny meint:

    @Estelle: Puh...das waren Geräte von Siemens. Allerdings fand ich die Hörverbesserung nicht sooo viel besser wie die Geräte Geld gekostet hätten.

    Klar waren diese ganzen Nebengeräusche interessant (manchmal aber auch anstrengend), Fernsehen ging auch leichter - im normalen Gesprächsalltag war die Verbesserung aber nicht sonderlich groß und genau da wäre es ja drauf angekommen.

    Am Ende habe ich mich also dafür entschieden, noch ein Weilchen ohne Hörgeräte rumzulaufen. Klar wird es irgendwann unweigerlich dazu kommen, aber jetzt muss es für meinen Geschmack noch nicht so weit sein.

    Bei deiner Berufswahl hast du recht: Das ist schwierig, weil du ja deine Schüler später auf jeden Fall verstehen können solltest. Aber wenn du jetzt erst am Anfang stehst, dann bleibt ja die Hoffnung, dass sich die Geräte noch ein bisschen verbessern bevor du zum ersten Mal vor einer Schulklasse stehst :-)

Kommentar schreiben


Umschließende Sterne heben ein Wort hervor (*wort*), per _wort_ kann ein Wort unterstrichen werden.
Standard-Text Smilies wie :-) und ;-) werden zu Bildern konvertiert.

gerade online: 11
Besucher heute: 1.006
Besucher gestern: 1.645
Max. Besucher pro Tag: 3.434
Blog Top Liste - by TopBlogs.de