Sep
3
Modern und altmodisch, realistisches 21. Jahrhundert und sagenumwobenes Mittelalter, die dunkle Zeit der Hexenverfolgungen – diese Gegensatzpaare prallen im Roman „Die Schatten von Mistley“ von Barbara Erskine aufeinander…. Ich habe das Buch verschlungen!Die Hauptfigur des Romans Emma ist eigentlich eine erfolgreiche Businessfrau – doch als sie in einer Zeitschrift ein Cottage zum Verkauf angeboten sieht, überkommt es sie: Ohne wirklich zu wissen warum, fährt sie zum Makler, betrachtet das Haus und fühlt sich so stark von diesem angezogen, dass sie in London alles stehen lässt, um auf das Land und in das „Hexen-Cottage“ zu ziehen. Sowohl ihr Freund, als auch der Job in London werden von Emma verlassen, lediglich ihre beiden Katzen begleiten sie in das ländliche Dorf.
Bald beginnen merkwürdige Dinge… Böses scheint im Obergeschoß eines örtlichen Ladengeschäftes um sich zu gehen, Emma bekommt Albträume und einige andere Menschen träumen ebenfalls immer wieder Stücke aus der Geschichte des Ortes. Nach und nach wird erzählt, wie der Hexenjäger Matthew sein Unwesen trieb, wie er Hexen folterte, sie zu Geständnissen zwang und wie ihm Rache geschworen wurde.
Irgendwann wird es für alle Beteiligten schwierig auseinanderzuhalten, was nun Realität und was Albtraum, Vergangenheit und Irrglaube ist. Als ein Filmteam kommt, um entgegen aller Warnungen des Pfarrers und der Dorfhexe ausgerechnet an Halloween die Geister der Vergangenheit auf Band aufzunehmen, eskaliert die Situation: Sarah, die vor dreihundertfünfzig Jahren geschworen hat, den Tod ihrer Kinderfrau am Hexenjäger Matthew zu rächen, materialisiert sich und versucht Emma dazu zu bringen, den örtlichen Pfarrer zu ermorden…
Soweit der Versuch, die 653-Seiten voller Spannung kurz zusammenzufassen – mehr zu berichten, würde zu viel vorweg nehmen, da der Roman die ganzen Verstrickungen erst nach und nach und sehr langsam aufdeckt…Während die Verstrickungen klarer und klarer werden, erfährt der Leser viel über den Ort, über die Geschichte und darüber, wie Emma versucht in dem Dorf Freunde zu finden, sich einzuleben und welche Ängste sie hat, weil sie so kurz entschlossen und ohne rationale Gründe London den Rücken kehrte. Als sie schließlich herausfindet, dass sie mit der Dorfhexe verwandt ist, wird ihre persönliche Verwirrung noch größer – sie ist froh, nun zumindest erahnen zu können, weshalb sie das Cottage so magisch angezogen hat, allerdings kann sie mit Hexerei herzlich wenig anfangen…
Fazit: Der Roman „Die Schatten von Mistley“ ist ausgesprochen spannend, einfühlsam und (zumindest bis zum Showdown) dermaßen modern und realistisch geschrieben, dass es leicht fällt, sich in die Romanfiguren hineinzuversetzen und das Gefühl zu haben, dass die Romanhandlung so wie sie beschrieben wurde tatsächlich hätte geschehen können - ein idealer Begleiter für lange Herbstabende, am Besten noch verregnet, vernebelt und begleitet von Kerzenschein und heißem Tee

















0 Trackbacks